Bericht zur Fortbildung „Szenisches Spiel im DaF-Unterricht“ mit Heide Stiebeler am 9.10.2014 in Shanghai

Autor: 上海歌德 Datum: Sa, 10/11/2014 - 11:47 Tags: Deutsch lernen

An der Fortbildung nahmen 21 Lehrerinnen und Lehrer teil, von denen 8 auch aus anderen SLZ in China kamen.

Heide Stiebeler besuchte schon zum dritten Mal Shanghai, wo sie zuvor zu Themen der Basisdidaktik und der Landeskunde sehr fruchtbare Fortbildungen veranstaltet hatte. Wir freuten uns nun, sie zu dem Thema „Szenisches Spiel“ begrüßen zu dürfen, dieses Thema war im Kollegium vorher ausdrücklich gewünscht worden, und entsprechend groß war der Andrang an dem Tag.

Schon in der Vorstellungsrunde wurden szenische Elemente integriert: Jeder stellte sich mit Namen vor und nannte eine Geste, die er/sie besonders häufig macht. In einem Klassenspaziergang mit Wimmelfragen und -thesen zum Thema „Szenisches Spiel“, z.B. „Wenn du selber als Regisseur ein Stück inszenieren könntest, welches würdest du dann wählen“ stiegen wir inhaltlich weiter in die Materie ein.

Danach wurde es erstmals richtig „dramatisch“: Wir spazierten erneut durch den Raum, um im Wechsel Partner suchend Interjektion wie „Hm…das gefällt mir!“ erst dem Partner einfach zuzurufen und dann einen kleinen Dialog zu machen. In der „geschützten Partnerarbeit“ ging es anschließend daran, kurze Dialoge hinsichtlich Tempo, Lautstärke und Aussprache zu variieren. Wir reflektierten anhand dessen auch, was eigentlich eine „Rolle“ ausmacht. Sehr intensiv wurde dies, nun in einer schon etwas längeren Spielszene, auf folgende Weise geübt: Eine Szene im Cafe, in der eine Person mit niedrigerem Status mit einer Person höheren Status‘ ins Gespräch kommt. Interessant war dabei besonders, dass die Rollen auch getauscht wurden, sogar während des Dialogs.

Sehr gut vorstellen konnte man sich nach der ersten Übung, wie man Wortschatzarbeit durch szenisches Spiel bereichern kann. Wir erhielten in der Gruppe Begriffe wie „Traum“, „Trost“ etc. und hatten dann die Aufgabe, diese Wörter in einem lebenden „Standbild“ darzustellen. Sehr interaktiv wurde es auch in der anschließenden Übung, nun nicht mehr stumm, sondern sehr verbal kommunikativ: In dieser „Laufsteg“ genannten Methode steht eine Person mit dem Rücken zu den anderen. Die übrigen 2 Personen nähern sich dieser Person von hinten und sprechen sie mit einer Frage oder Aussage an. Der Dialogpartner kennt den Kontext vorher nicht, muss aber spontan angemessen reagieren.

Nach der Mittagspause ging es in Gruppen von 4-5 Personen dann darum, einen Ort szenisch darzustellen. Dabei durfte nicht gesprochen, sondern nur Pantomime verwendet werden. Es war lustig und interessant zugleich, welche verschiedenen Orte da zum Leben erweckt wurden: Eine U-Bahn, ein Flugzeug in Turbulenzen etc. Die Referentin achtete auch darauf, dass das Publikum während der Szenen nicht unbeschäftigt blieb: Die Zuschauer hatten jeweils konkrete Fragen, unter denen sie die Szenen beobachteten und hinterher reflektierten.

In der Transferphase beschäftigten sich die Teilnehmer in Gruppen mit der Fragestellung, wie man konkret an ein Lehrwerk anknüpfend Rollenspiele in den Unterricht integrieren kann. Die Ergebnisse wurden im Stuhlkreis diskutiert und auch mögliche Ängste und Bedenken besprochen, die Lehrkräfte bei der Planung von szenischen Elementen für den Unterricht haben könnten.

Die Feedbackrunde am Schluss machte deutlich: Alle hatten viele neue Methoden für den Unterricht mitgenommen, und sicher wird über den Tag hinaus noch länger reflektiert werden, wie man die einzelnen Elemente konkret in den Unterrichtsalltag integrieren kann. Die Lust dazu, das auszuprobieren, haben alle erhalten.

Matthias von Gehlen